Stundensatz Elektriker Österreich 2026
· Redaktion
Zwei Fragen tauchen beim Thema Stundensatz immer wieder auf: Was nehmen die anderen, und was musst du selber nehmen, damit am Monatsende was übrig bleibt? Beides bekommst du hier — aktuelle Marktwerte aus Österreich und eine Schritt-für-Schritt-Kalkulation nach K3-Blatt, mit den Zahlen für 2026.
Was Elektriker in Österreich aktuell verlangen
Die jüngste belastbare Erhebung kommt von der AK Oberösterreich: Im Mai 2025 wurden bei 105 Betrieben die Stundensätze abgefragt. Die Spannen sind beachtlich.
Das sind Endkundenpreise ohne Umsatzsteuer. Die Erhebung wurde in OÖ gemacht, die Spannweiten in den anderen Bundesländern dürften vergleichbar liegen — die KV-Basis ist österreichweit gleich. Eine 2026er-Erhebung der AK liegt noch nicht vor, üblich ist eine Aktualisierung im Mai jedes Jahres.
Regiestundensätze 2026: Was das Ministerium festgelegt hat
Parallel zur AK-Markterhebung gibt es vom Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft (BMAW) festgelegte Regiestundensätze, die seit 1. Jänner 2026 gelten:
Diese Werte gelten österreichweit, ausschließlich für Leistungen, die nicht Gegenstand einer Ausschreibung waren, und immer plus Umsatzsteuer.
Was wirklich in deinem Stundensatz drinstecken muss
Wenn du deinen eigenen Stundensatz rechnest, geht es nicht darum, was die Konkurrenz nimmt — sondern darum, was du brauchst, damit am Monatsende deine Kosten gedeckt sind und ein Gewinn übrig bleibt.
Die offizielle Methode in Österreich ist die Mittellohnpreis-Kalkulation nach K3-Blatt, basierend auf der ÖNORM B 2061. „Mittellohnpreis” klingt nach Behörde, ist aber simpel: Es ist der Stundensatz, den du brauchst, um eine produktive Arbeitsstunde im Betrieb zu finanzieren — inklusive aller Kosten und einem Gewinnanteil.
Fünf Bausteine stecken drin:
- Mittellohn (Bruttolohn pro Stunde) — der Stundenlohn deines Mitarbeiters laut KV, oder bei EPU ein kalkulatorischer Unternehmerlohn (was du dir selbst „zahlen” willst).
- Lohnnebenkosten — Sozialversicherung, Kommunalsteuer, DB, DZ, Mitarbeitervorsorge, Entgeltfortzahlung für Urlaub, Krankheit, Feiertage. Branchenüblich liegen die Lohnnebenkosten zwischen 75 % und 90 % des Bruttolohns (siehe WKO-Merkblatt Lohnnebenkosten).
- Gemeinkosten — alles, was nicht direkt am Job verbraucht wird: Werkstatt, Servicewagen, Werkzeug, Versicherungen, Buchhaltung, Telefon, Software, Marketing. Wird als Zuschlag auf die Personalkosten gerechnet — typisch 30 % bis 60 %, je nach Betriebsgröße.
- Wagnis & Gewinn — der Aufschlag, mit dem du Risiken (Ausfälle, Reklamationen, Forderungsverlust) absicherst und Gewinn machst. 8 % bis 15 % sind realistisch.
- Produktive Stunden pro Jahr — die Stunden, die du wirklich verrechnen kannst. Nicht die theoretischen 2.002 Jahresstunden, sondern was nach Urlaub, Krankheit, Feiertagen, Materialbesorgung und Verwaltung übrig bleibt.
Beispielrechnung: Ein-Personen-Betrieb 2026
Wir nehmen einen EPU mit Meisterprüfung, der selber arbeitet, ohne Mitarbeiter. Alle Zahlen netto, gerundet, mit aktuellen Werten Stand Jänner 2026.
Schritt 1 — Kalkulatorischer Unternehmerlohn. Du orientierst dich grob am KV Metallgewerbe Lohngruppe 1 Spitzenfacharbeiter (3.808,83 € Monatslohn ab 1.1.2026) plus Meisteraufschlag — sagen wir 4.000 €/Monat. Inklusive Urlaubs- und Weihnachtsgeld macht das 56.000 €/Jahr.
Schritt 2 — Lohnnebenkosten als Selbstständiger. SVS, kein DG-Anteil (du bist ja allein), keine Kommunalsteuer ohne Mitarbeiter — netto bleibt aber trotzdem nur ein Teil. Für die Stundensatz-Kalkulation kannst du als Faustregel +25 % auf den Bruttolohn ansetzen. Macht 70.000 €/Jahr.
Schritt 3 — Gemeinkosten. Servicewagen mit allem Drum und Dran (Leasing, Sprit, Versicherung, Service): ~7.000 €. Werkzeug, Messgeräte, Ersatz: ~3.000 €. Versicherungen (Haftpflicht, BU, etc.): ~2.500 €. Buchhaltung/Steuerberater: ~2.500 €. Telefon, Software, Internet, Webseite: ~2.000 €. Sonstiges (Weiterbildung, Mitgliedsbeiträge, Büro): ~3.000 €. Macht ca. 20.000 €/Jahr. Zwischensumme Schritt 1–3: 90.000 €/Jahr.
Schritt 4 — Wagnis & Gewinn. +10 % Aufschlag, damit du Ausfälle puffern kannst und am Ende was übrig bleibt: 99.000 €/Jahr.
Schritt 5 — Produktive Stunden. Theoretisch 2.002 h/Jahr (52 × 38,5 h). Minus 5 Wochen Urlaub (~190 h), 2 Wochen Krankheit/Sonstiges (~80 h), Feiertage (~80 h) — bleiben ca. 1.650 Anwesenheitsstunden. Davon gehen 25–30 % für Anfahrt, Angebot schreiben, Materialbesorgung, Reklamationsabwicklung und Verwaltung drauf. Bleiben rund 1.200 verrechenbare Stunden.
Das liegt im oberen Drittel der AK-Spannweite — was Sinn macht: Ein EPU mit Meisterabschluss bringt mehr Verantwortung und höhere Fixkosten pro Stunde mit als ein angestellter Monteur in einem größeren Betrieb.
Drei Betriebsgrößen im Vergleich
Je größer der Betrieb, desto anders sehen die Stellschrauben aus. Drei typische Konstellationen — und am Ende erstaunlich ähnliche Stundensätze.
Beim EPU mit Meisterprüfung ist der eigene Unternehmerlohn hoch und die produktiven Stunden niedrig — der Stundensatz landet trotzdem im selben Bereich. Beim Kleinbetrieb drücken Lohnnebenkosten und Verwaltungs-Overhead, dafür laufen die Stunden über mehrere Mitarbeiter. Beim Mittelbetrieb verteilen sich die absolut höheren Gemeinkosten auf entsprechend mehr verrechenbare Stunden.
Den größten Unterschied macht nicht die Größe — sondern wie ehrlich du die produktiven Stunden und die Gemeinkosten ansetzt.
Stundensatz ist nicht gleich Verkaufspreis
Hier wird’s oft verwechselt. Drei verschiedene Werte:
- Kalkulierter Stundensatz (Mittellohnpreis). Das, was du brauchst, um deine Kosten zu decken und Gewinn zu machen. Interne Größe. In unserem Beispiel 82,50 €/h netto.
- BMAW-Regiestundensatz. Der ministeriell festgelegte Wert für Regieleistungen außerhalb von Ausschreibungen. 70,66 € für den Monteur 2026. Ist eine Verrechnungsrichtgröße, kein Empfehlungspreis.
- Verkaufspreis am Markt. Das, was du tatsächlich nimmst. Kann höher sein, wenn der Markt es hergibt (Spezialisierung, Notdienst, Engpass), oder niedriger, wenn du Aufträge brauchst.
Auf der Rechnung an Privatkunden steht der Bruttopreis (inkl. 20 % USt). Bei B2B-Aufträgen im Baubereich greift oft die Reverse-Charge-Regelung — dann verrechnest du netto und der Auftraggeber führt die USt direkt ab. Wer dauerhaft unter dem berechneten Stundensatz verrechnet, zahlt drauf. Und merkt das oft erst, wenn der Steuerberater am Jahresende fragt, wo das Geld geblieben ist.
Die fünf häufigsten Kalkulationsfehler
Berechnen musst du deinen Stundensatz selber. Verrechnen kannst du ihn mit easyElektriker — einmal hinterlegt, ist er auf jeder Rechnung und jedem Lieferschein automatisch dabei.
Quellen
- Preisvergleich Elektromonteure 2025 (AK Oberösterreich)
- Stundensätze für Regieleistungen 2026 (WKO Bundesinnung Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker)
- Stundensatzkalkulation Mittellohnpreis nach K3-Blatt (WKO)
- Lohnordnung Metallgewerbe Arbeiter:innen ab 1.1.2026 (WKO)
- Merkblatt Lohnnebenkosten Elektrotechnik (WKO Bundesinnung)